Was ist ein Café Mortelle ?
Eva Neuhoff Kreft (Trauerbegleiterin) legte den Zündfunken für diese Idee. Sie beschreibt in folgenden Sätzen, worum es geht:
Zugeben: auf den ersten Blick gibt es einladendere Themen als den
Tod. Er ist nun mal ein ungeliebtes Tabuthema.
Wo er im Raum ist, herrscht schnell Sprachlosigkeit. Der Umgang fällt uns oft schwer. Und wenn er dann doch im Umfeld auftaucht, sagen wir aus Angst, etwas Falsches zu sagen, oft lieber gar nichts.
Dabei kann uns die Beschäftigung mit dem Tod helfen, genau diese
Ängste abzubauen. Sie schafft Raum für Gespräche, Klarheit über eigene Wünsche und mehr Mitgefühl für sich und andere. Letztendlich kann sie uns helfen, bewusster zu leben. Genau hier setzt das „Café Mortelle“ an. Noch vor wenigen Generationen war der Tod präsenter. Menschen starben häufiger zu Hause, im Kreis der Familie,in der Nachbarschaft. Kinder sahen, dass Leben endet. Trauer war sichtbar. Rituale gaben Halt: das Aufbahren, das gemeinsame Wachen,
Gebete, Abschiede, Schweigen. Diese Rituale nahmen dem Tod nicht seinen Schmerz, aber sie gaben ihm einen Platz. Sie sagten: Das gehört zum Leben dazu. Und du musst da nicht allein hindurch.
Heute ist vieles anders. Der Tod ist oft ausgelagert – in Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Institutionen. Professionell begleitet, medizinisch versorgt, und doch für viele Menschen fern. Wir leben länger, gesünder, schneller – und sprechen zugleich immer weniger über das Ende. Vielleicht macht ihn das nicht kleiner, sondern fremder. Und doch bringt unsere Zeit auch etwas Neues mit sich. Denn während alte Rituale an Selbstverständlichkeit verloren haben, ist zugleich Raum entstanden für individuellere Formen des Abschieds. Heute darf Trauer persönlicher sein. Rituale müssen nicht mehr vorgegeben sein, sie können gestaltet werden. Abschiede dürfen leise oder laut sein, religiös oder weltlich, traditionell oder ganz neu erfunden. Diese Freiheit kann Halt geben – nicht durch feste Formen, sondern durch Stimmigkeit. Durch Rituale, die sich richtig anfühlen für die Menschen, die Abschied nehmen. Viele von uns haben dennoch kaum Worte für das Sterben. Kaum Rituale für den Abschied. Und oft auch wenig Raum, um über die eigene Endlichkeit nachzudenken oder über die Verluste, die wir erlebt haben. Spirituell betrachtet ist das bemerkenswert. Denn in fast allen spirituellen Traditionen gehört die Auseinandersetzung mit dem Tod zum Kern des Menschseins.
Nicht aus Morbidität, sondern weil die Endlichkeit dem Leben Tiefe gibt.
Eine alte Weisheit sagt: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen,
auf dass wir klug werden.“ Diese Klugheit meint keine Angst, sondern Bewusstheit.
Sie lädt ein, achtsamer zu leben, klarer zu lieben, wesentlicher zu sein.
Vor diesem Hintergrund steht die übergeordnete Frage des heutigen Abends: Wann hat der Tod unser Leben verlassen? Zugegeben – das ist eine etwas provokative Frage. Denn natürlich hat der Tod uns nicht verlassen. Allein in den Nachrichten ist er tagtäglich sehr präsent. Und doch sind wir, wie beschrieben, im direkten, persönlichen Umgang mit ihm ungeübt geworden.
In Tisch- Gesprächsrunden werden immer unterschiedliche Themen beleuchtet, ganz aus persönlicher Sicht, w.b.B. die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft in Bezug auf Tod, Trauer, Abschied und Endlichkeit. Bei diesen Treffen geht es nicht darum, Antworten zu finden. Nicht darum, Trost zu spenden oder etwas richtig zu machen. Es geht darum, da zu sein. Zuzuhören. Manche spirituellen Traditionen sagen: Wo Menschen einander mit Offenheit und Respekt begegnen, ist etwas Heiliges gegenwärtig.
Vielleicht zeigt sich das an solgen Abenden ganz unscheinbar:
im Zuhören, im Teilen, im Aushalten.
Wir beginnen nun mit der Vergangenheit.
Zum Ablauf
Begleitet werden die Abende von Eva Neuhoff Kreft (Trauerbegleiterin), Tina Sohn aus der Pflegeberatung der Verwaltung und Nadja Schwendemann, Obejktmanagerin des Kulturbahnhofes Morsbach.
Nach Anmeldung verbringen Sie einen interessanten Abend unter Gleichgesinnten, jeder der Teilnehmer kommt, weil er sich mit dem Thema Tod und Sterben aber auch dem Leben drum herum befassen möchte.
Die Moderatorinnen bieten den entsprechenden Rahmen, stellen Fragen in den Raum mit denen sich die Tischgruppen befassen können.
Es kann diskutiert werden, oder einfach nur zugehört, ganz nach dem eigenen momentanen Empfinden. Dazu gibt es Tee oder Kaltgetränke, was zum Knabbern, und Schreibmaterial um Notizen zu machen.
Wir sorgen dafür, dass Sie sich in einer vertrauten und sicheren Atmosphäre öffnen können, wenn Sie das möchten. Es geht hier nicht um Trauerverarbeitung, nicht um psychologische Hilfe (dafür haben wir eine Liste mit Anlaufstellen ausliegen). Es geht um Austausch von Gedanken, im besten Falle öffnen sich neue Türen zu neuen Sichtweisen.
Wir gehen respektvoll miteinander um, wahren die Grenzen des Anderen und nehmen auch die eigenen wahr und wichtig.
Am Ende des Abends der ca. 1,5 Stunden geht, kann noch reflektiert werden, wer möchte, darf die anderen an den eigenen Erkenntnissen oder auch an neuen Fragen teilhaben lassen.
Sollten Sie Fragen zu unserem Café Mortelle haben, wenden Sie sich gerne persönlich an uns.
Wenn Sie teilnehmen möchten, melden Sie sich einfach an über das Kontaktformular oder unter:
02294 699 337 (Nadja Schwendemann)